Porajmos

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Porajmos

Beitragvon Odinus Thorus » Mo 24. Jan 2022, 11:43

Heute traf mein Bewusstsein das erste mal auf das Wort Porajmos:
und zwar hier: https://www.n-tv.de/panorama/Touristin- ... 79211.html (ganz hinten)
Leider wird nicht ganz klar, wie man das Wort spricht. Gefühlsmässig tendier ich zu Porajmosch, aber das steht nicht da.

Da hat sich unser ThinkDesign wieder was Schönes ausgedacht. Ich finde die Tendenz, jedem Massenmord-Geschehen ein eigenes Wort zu verpassen partiell gut.* So bleiben sie besser haften und auch präsent. Holodomor ist ja quasi zur Gründungslegende der Ukraine geworden. Holocaust zu der von Israel. Nur fehlt mir noch ein passender Begriff für die ebenfalls per social engineering veranstalteteten Gräuel in Kambodschah und Burundi. Oder für das, was seit 73 in Äthiopien passiert. Leider werden diese Worte immer erst rechts spät geprägt, Holocaust erst ca. 40 Jahre später. Bin gespannt, ob Pandemie eines Tages auch in diese Liste eingereiht wird. Wie nennen die Armenier eigentlich Ihren Genozid?

Das Geschehen im Lager in Polenhalte ich übrigens für arg geschmacklos, besser wäre hier impius. Aber sollen Geschmacklosigkeiten nach europäischem Recht strafbar sein? Die Wirklichkeit und Geschichte an sich enthält massiv Geschmacklosigkeiten, und vor allem das, was heute unter Kunst abgeht. Wenn die Erinnerungsindustrie ihr Gedankengut zur verfassten Religion erklären würde, könnte man von "provokativer Verletzung religiöser Gefühle" sprechen. Es käme also für einen gerechten Richter** auf die Zahl der Rezipienten dieser Szene an. Spricht die Tatsache der photografischen Aufnahme an sich schon für einen Willen zur Verbreitung des provokativen Bildes oder ist grundsätzlich erst einmal nur von der Fixation eines persönlichen Erinnerungsmomentes auszugehen? Vor allem, welche Biene hat die Holländerin gestochen, sich derart zu exponieren. Waren ihre Vorväter etwa aktiv beteiligt? Vllt hat sie aber nur ein Lehrvideo gedreht?


* warum nur partiell gut? Man muss auch an die Nachwelt denken, stellen Sie sich Kinder vor, die in der Grundschule ein lange Liste von Greueltaten lernen müssen. Wie entwickelt sich deren Weltbild. Ich stelle zunehmend fest, wie mein Weltbild durch die Kriegserlebnisse meiner Eltern geprägt wurde, die diese als Kinder hatten. Es gibt auch ein Recht auf Vergessen.

** gerechte Richter gibt es nicht! Diejenigen, die ich bisher in Aktion erlebt hatte, kann man nicht mal als ungerecht bezeichnen. Das war eine neue Kategorie, für die es noch keine Bezeichnung gibt.
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Re: Porajmos

Beitragvon medicus » Mo 24. Jan 2022, 12:10

Odinus Thorus hat geschrieben:Leider wird nicht ganz klar, wie man das Wort spricht. Gefühlsmässig tendier ich zu Porajmosch,
Das Romanes-Wort Porajmos [pʰoɽajˈmos] (auch Porrajmos, deutsch: „das Verschlingen“)
https://de.wikipedia.org/wiki/Porajmos
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Re: Porajmos

Beitragvon Odinus Thorus » Mi 26. Jan 2022, 21:13

Nun find ich zum "Geschehen" noch folgenden Text:

https://haolam.de/artikel/Europa/48537/ ... ommen.html

Ich denke, es handelt sich um eine automatische Übersetzung. Warum? Zwei mal wird ein "Hitlergruss gehalten".
A:
2013 hielten zwei türkische Touristen vor dem Gelände des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau den Hitlergruß.

B:
Im Jahr 2018 ermittelte die örtliche Staatsanwaltschaft gegen drei polnische Teenager, die in Auschwitz-Birkenau einen Hitlergruß hielten.


Man müßte erkunden, in welcher Sprache ein Gruss "gehalten" wird. Im Deutschen wird ein Gruss gezeigt oder geübt, oder angedeutet. Aber nicht gehalten. Kann jemand soweit Polnisch?
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Re: Porajmos

Beitragvon ClaudiaK » Do 27. Jan 2022, 08:06

Guten Morgen,
"Gruß halten" ist total normaler deutscher Sprachgebrauch.
Da steht der tapfere Soldat eine Weile stramm, bis die Morgenkälte die Füße zerfressen und der Oberleutnant seinen Kakao kredenzt bekommen und geschlürft hat. Gruß halten ist nicht das feige verhuschte Händchenstrecken einer halbherzigen Glatze, sondern quasi-synonym für Inbrunst und Durchhaltewille. Das strahlt. Übrigens kann man im Deutschen noch viel mehr halten.
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Re: Porajmos

Beitragvon Odinus Thorus » Do 27. Jan 2022, 09:28

ClaudiaK hat geschrieben:Guten Morgen,
"Gruß halten" ist total normaler deutscher Sprachgebrauch.

Hallo ClaudiaK,
Da darf ich Dir direkt widersprechen. Wenn es Dich interessiert, geh bitte auf DSDS Wortprofil, stell Kollokationen auf 100, und mustere die 62 dargestellten Verben in "Guss ist Akk. Objekt von" durch. Halten ist nicht enthalten. Als einziges Verb ist erhalten an 49. Stelle enthalten. Für "Gruss halten" gibt es lediglich 4290 Googelungen. Das ist fast soviel wie nichts. "Grüsse übermitteln" hat schon 41 Tsd. Ich würde Dir übrigens auch widersprechen, wenn Du das Total aus Deiner Behauptung entferntest. Zustimmungsfähig wäre die akkomodierte Aussage vllt. für einen Soziolekt (Soldatensprache). In einem Schulaufsatz würde ich diese Phrase mindestens mit "Stil?" bekritteln.
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Re: Porajmos

Beitragvon ClaudiaK » Do 27. Jan 2022, 13:32

Hm, :? , aber die Häufigkeit bzw. Seltenheit sagt ja nichts über die Norm aus.
Und die Niederschrift sagt nichts über seinen mündlichen Gebrauch aus. :nixweiss:

Odinus Thorus hat geschrieben:In einem Schulaufsatz würde ich diese Phrase mindestens mit "Stil?" bekritteln.
Zum Glück bin ich durch. :wink:
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Re: Porajmos

Beitragvon Odinus Thorus » Do 27. Jan 2022, 20:05

ClaudiaK hat geschrieben:Hm, :? , aber die Häufigkeit bzw. Seltenheit sagt ja nichts über die Norm aus.

Bin mir nicht sicher, aber Google sucht, glaube ich, auch gewaltige Korpora "Gesprochene Sprache" durch, und in der Geschriebenen ist Gesprochene ja imho immer enthalten. Gruss
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Re: Porajmos

Beitragvon ClaudiaK » Do 27. Jan 2022, 22:34

Odinus Thorus hat geschrieben:und in der Geschriebenen ist Gesprochene ja imho immer enthalten.


Es gibt auch die umgedrehte Hypothese, nämlich, dass Schriftlichkeit zu einem Gutteil das Abweichende vom Bisherigen darstellt. Jede neue Äußerung enthält als Neuigkeit eine Abweichung vom bisherigen Wissen und wird damit für wertgehalten, notiert zu werden. Dann ist das Gesprochene im Geschriebenen gerade nicht (mehr) enthalten :)
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Re: Porajmos

Beitragvon Odinus Thorus » Fr 28. Jan 2022, 12:07

Ich meinte meinen Satz explizit auf die Suchalgorithmen von Google bezogen....wenn Google sucht, dann nur in schriftlich niedergelegten Konversionen gesprochener Sprache. Die suchen jetzt nicht Tondateien durch. z. B. die kompletten Mitschnitte der Aufzeichnungen unserer Handys, die es ja in den USA (NSA) gibt, obwohl genau das interessant wäre...
Nicht, dass jemand denkt, ich rede Unsinn...
https://www.danisch.de/blog/2022/01/28/ ... more-47712
Zuletzt geändert von Odinus Thorus am Fr 28. Jan 2022, 22:10, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Porajmos

Beitragvon medicus » Fr 28. Jan 2022, 21:05

Odinus Thorus hat geschrieben: ein Gruss "gehalten"

Diese Form des Grüßens ist gemeint:
https://www.gettyimages.ch/fotos/hitler-gruss
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Re: Porajmos

Beitragvon medicus » Fr 4. Feb 2022, 09:35

Salve Odine Thore! Du bist ja heute wieder im Forum unterwegs. Hast du nichts zu meiner Erklärung zu bemerken? :?
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Re: Porajmos

Beitragvon Odinus Thorus » Fr 4. Feb 2022, 16:11

medicus hat geschrieben:Salve Odine Thore! Du bist ja heute wieder im Forum unterwegs. Hast du nichts zu meiner Erklärung zu bemerken? :?


Es kann wirklich sein, dass dieses "Gruss halten" aus dem Militärischen kommt, und schon einiges Älter ist. In einer durchmilitarisierten Gesellschaft, wie Deutschland damals eine war, kann der Terminus durchaus gebräuchlicher gewesen sein. Für mich war er gänzlich neu. Gibt es eigentlich eine Monographie zum Grüssen, bzw., zu den Formen des Grüssens? Titelvorschlag: Hitlergruss und Merkelfaust - eine Anatomie des Grusses aus antropologischer, historischer, psychologischer und verhaltensbiologischer Sicht.
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Re: Porajmos

Beitragvon medicus » Fr 4. Feb 2022, 18:44

Odinus Thorus hat geschrieben:Gibt es eigentlich eine Monographie zum Grüssen


https://www.persen.de/media/ntx/persen/ ... rseite.pdf
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