Merry Christmas

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Merry Christmas

Beitragvon sinemetu » So 23. Dez 2018, 22:22

Ob Merry was mit marry, oder was mit Mary zu tun hat?
Quaestor sum, quaerere quaerique possum ...
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Re: Merry Christmas

Beitragvon medicus » Mo 24. Dez 2018, 07:39

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Re: Merry Christmas

Beitragvon sinemetu » Mo 24. Dez 2018, 10:22

medicus hat geschrieben:https://www.etymonline.com/word/merry :book:


... das hatte ich gelesen ... darüber hinaus halte ich jedoch eine Beeinflussung in der Vokalevolution für möglich.
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Re: Merry Christmas

Beitragvon marcus03 » Mo 24. Dez 2018, 10:43

sinemetu hat geschrieben:oder was mit Mary zu tun hat?


Mary < Maria = Mirjam
https://de.wikipedia.org/wiki/Maria
https://www.vorname.com/name,Maria.html
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Re: Merry Christmas

Beitragvon medicus » Mo 24. Dez 2018, 12:38

Wann wird sinemetu endlich sein Lehrbuch der Rhizologie herausgeben?
https://www.google.de/search?q=Rhizolog ... 5647803881
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Re: Merry Christmas

Beitragvon marcus03 » Mo 24. Dez 2018, 13:08

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Re: Merry Christmas

Beitragvon Prudentius » Mo 24. Dez 2018, 18:11

Die Etymologie wie wir sie kennen, ist erst jüngeren Datums, etwa 19. Jh., als Teil der positivistischen Wissenschaftsauffassung, die besagt, wahr und wirklich ist nur, was empirisch belegt ist. Bis dahin, und besonders in der Antike, war sie etwas ganz anderes, nämlich ein Mittel, hinter den alltäglichen Wörtern eine tiefere, eigentlichere Erkenntnis zu gewinnen.

Die Sophisten brachten die E. auf.

Etymologischen Unfug gab es auch schon in der Antike; "lucus" wurde von "a non lucere" abgeleitet, weil es im Walde finster ist. Ich glaube, Varro hat sich das zuschulden kommen lassen.
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Re: Merry Christmas

Beitragvon marcus03 » Mo 24. Dez 2018, 18:33

Prudentius hat geschrieben:Etymologischen Unfug gab es auch schon in der Antike;

Herrlich zu lesen dazu ist Platons Kratylos. Man kann sich köstlich dabei amüsieren.
Falls sinemetu ihn nicht kennt:
http://www.opera-platonis.de/Kratylos.pdf

Schleiermacher hat sehr textnah übersetzt.
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Re: Merry Christmas

Beitragvon ille ego qui » Di 25. Dez 2018, 23:47

A non lucendo!
Vereinzelt mag man Beispiele dieser Art finden...
post coitum omne animal triste est praeter mulierem gallumque
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Re: Merry Christmas

Beitragvon Prudentius » Mi 26. Dez 2018, 20:20

Etymologie ist für uns "Rhizologie", d.h. wir tasten uns mithilfe von Belegen und Lautgesetzen von einer gegebenen Wortform zurück zur ursprünglichen Wurzel. Das Verfahren ist Teil der positivistischen modernen Wissenschaft, d.h. real ist für uns nur, was auf nachprüfbarer Erfahrung beruht.
Ganz anders die frühere Auffassung: Etymologie war für die frühen Denker ein Mittel, hinter den alltäglichen Wörtern in den Bereich des Eigentlichen, des Ursprünglichen, des Natürlichen vorzudringen; also sie war ein Einstieg in Metaphysik; sie verhalf, vom Flüchtigen zum Grundlegenden, Tragenden zu gelangen.
Ein Beispiel für diese urspr. Etymologie bietet Heidegger, seine Deutung von Wahrheit, aletheia als a-letheia, als "Unverborgenheit"; es wurde ihm entgegengehalten, dass die Etymologie nicht belegt ist, aber darauf kam es nicht an, sondern etwas sichtbar zu machen, den Blick für eine neue Dimension zu öffnen.
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Re: Merry Christmas

Beitragvon sinemetu » Fr 28. Dez 2018, 22:18

Prudentius hat geschrieben:Etymologie ist für uns "Rhizologie", d.h. wir tasten uns mithilfe von Belegen und Lautgesetzen von einer gegebenen Wortform zurück zur ursprünglichen Wurzel. Das Verfahren ist Teil der positivistischen modernen Wissenschaft, d.h. real ist für uns nur, was auf nachprüfbarer Erfahrung beruht.

Das ist der springende Punkt. Mich dünkt, daß die "ursprüngliche Wurzel" eine positivistische Chimäre ist. Die Tatsache, daß man Laute verschriftlichen und damit materialisieren kann, und so quasi diachron haltbar macht, verführte die Positivisten ihrer eigenen Doktrin untreu zu werden. Die einzigen Sachen, die es in der Sprache wirklich gibt, sind ja Klänge! und nicht, wie vorausgesetzt, Zeichenfolgen in irgendwelchen Alphabeten. Das, worum es in der Sache geht sind Klänge, und die sind sehr kurz und verstummen quasi mit ihrer Realisation. Es gibt keine Wurzeln. Das sind Konstrukte. Es gibt einzig sich mehr oder weniger ähnelnde Klänge, und die lassen sich zu andern Klängen assoziieren, besonders dann, wenn wenn die in Ihnen gespeicherten, mental tradierten Vorstellungen, also die Bedeutungen, in einem Bedeutungsfeld aneinander verankert sind. Das ist das ganze Geheimnis der sog. Wurzel.

Prudentius hat geschrieben:Ganz anders die frühere Auffassung: Etymologie war für die frühen Denker ein Mittel, hinter den alltäglichen Wörtern in den Bereich des Eigentlichen, des Ursprünglichen, des Natürlichen vorzudringen; also sie war ein Einstieg in Metaphysik; sie verhalf, vom Flüchtigen zum Grundlegenden, Tragenden zu gelangen.

Richtig, die Etymologie war damals wie heute, wo sie noch gebraucht wird, eine epistemologische Disziplin. Ein bekannter Klang, soll einen leicht verfremdet wirkenden Klang in ein Bedeutungsfeld einbetten, daß "eigentliche" sichtbar machen, eben bildlich gesprochen, die "Verwandtschaft" verdeutlichen und damit den Klang verständlich machen.

Die Sucht soll zur Wurzel gehören, zu der auch siechen. Das dt. Verbum suchen dagegen wird zu Sache gestellt. Volkesetymologisch aber erklären sich die beiden Worte. Jetzt kann man fragen, hat die Sucht ihre Lokalisation von suchen, oder suchen sein tiefen Vokal von Sucht. Es ist jedenfalls nicht zu leugnen, daß sie die beiden Worte aneinander angelehnt haben, weil die bezeichneten Sachen in eine Bedeutungsfeld einsehbar sind. Die Bedeutungen sind das Motiv der Lautangleichung.

Prudentius hat geschrieben:Ein Beispiel für diese urspr. Etymologie bietet Heidegger, seine Deutung von Wahrheit, aletheia als a-letheia, als "Unverborgenheit"; es wurde ihm entgegengehalten, dass die Etymologie nicht belegt ist, aber darauf kam es nicht an, sondern etwas sichtbar zu machen, den Blick für eine neue Dimension zu öffnen.

Das ist überhaupt das Motiv aller Epistemologie: Ein Wort erklärt das andere. Man kann alles nebeneinander stellen. Das momentan einleuchtende Beispiel gewinnt den Erklärunsgwettbewerb. Niemanden hätte Kepler mit seiner Gleichung überzeugt, wenn sie nicht so schön gewesen wäre.
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Re: Merry Christmas

Beitragvon Prudentius » Sa 29. Dez 2018, 21:11

Siechen gehört rhizologisch zu Seuche und engl. sick, germ. Wurzel, die "krank" bedeutet.
Sucht dagen zu suchen, intensives Sehen; u-Ablaut wie Flug - fliegen, Fluss - fließen, Guss - gießen, Genuss - genießen.
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Re: Merry Christmas

Beitragvon sinemetu » Sa 29. Dez 2018, 22:01

Prudentius hat geschrieben:Siechen gehört rhizologisch zu Seuche und engl. sick, germ. Wurzel, die "krank" bedeutet.
Sucht dagen zu suchen, intensives Sehen; u-Ablaut wie Flug - fliegen, Fluss - fließen, Guss - gießen, Genuss - genießen.


Dann lies Dir, Prudentius, bitte mal im DWDS die Angaben zur Etymologie beider Worte durch.

https://www.dwds.de/wb/Sucht#et-1
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Re: Merry Christmas

Beitragvon Prudentius » So 30. Dez 2018, 11:00

Gut, gut, aber die Sucht als Krankheit ist ein krankhaftes Suchen, und die Analogien drängen sich auf, Zucht von ziehen, Kluft von klaffen, Gruft von graben, Verlust von verlieren, Frost von frieren..., und die Sehnsucht ist ein Suchen zu sehen.

Mich dünkt, daß die "ursprüngliche Wurzel" eine positivistische Chimäre ist.

Mit deiner Leseempfehlung jagst du jetzt einer Chimäre nach.
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Re: Merry Christmas

Beitragvon sinemetu » Mi 2. Jan 2019, 23:47

Prudentius hat geschrieben:, Gruft von graben,


graben hat übrigens Gruft, Grube und Grab und - ganz spät und beamtensteif - Grabung. Man müßte untersuchen, wann die Worte gebildet, wo und in welchen Soziolekten sie sich diachron aufgehalten haben.

Prudentius hat geschrieben:Gut, gut, aber die Sucht als Krankheit ist ein krankhaftes Suchen, und die Analogien drängen sich auf, Zucht von ziehen, Kluft von klaffen, Gruft von graben, Verlust von verlieren, Frost von frieren..., und die Sehnsucht ist ein Suchen zu sehen.


Die Sucht als krankhaftes Suchen zu interpretieren ist ein bewußter Denkakt auf semantischer Ebene, das heranziehen lautlicher Analogien und die Anlehnung an dieselben beim Sprechakt ist ein weniger bewußter Akt. Bedenken wir, daß die Sucht noch ein kurzes u und suchen ein langes u hat. Die Angleichung ist noch nicht 100 % vollzogen.
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