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 Betreff des Beitrags: u konsonantisch und vokalisch
BeitragVerfasst: So 17. Jan 2010, 14:22 
Consul

Registriert: Sa 3. Jan 2009, 23:01
Beiträge: 400
Salvete, sodales,

ich bin in letzter Zeit wiederholt auf die Behauptung gestoßen, im Namen des "Sueton(ius)" sei das erste u ein konsonantisches. Das hat mich etwas stutzig werden lassen. Daher meine Fragen:

Stimmt das?
[ und wenn ja:
Woher wissen wir das?
Metrisch habe ich den Namen nicht gefunden (ohnehin ist ja, wenigstens poetisch, der wechsel zwischen u kons. und u vok. in ein und demselben wort nicht selten zu beobachten).
und warum schreibt man dann nicht Sveton, wo doch sonst die Konvention gilt, kons. u heute durch ein v zu kennzeichnen? (gilt diese Regel etwa für Namen nicht? oder ist Sueton glatt als Ausnahme der Konvention selbst eine Konvention?) ]

ich bin gespannt ;)
ille

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 Betreff des Beitrags: Re: u konsonantisch und vokalisch
BeitragVerfasst: So 17. Jan 2010, 21:49 
Censor

Registriert: Sa 11. Aug 2007, 23:01
Beiträge: 605
Zitat:
und warum schreibt man dann nicht Sveton, wo doch sonst die Konvention gilt, kons. u heute durch ein v zu kennzeichnen?

Salve Ille.
Die Konvention hat sich nur in den Fällen entwickelt, wo tatsächlich eine Lautverschiebung vom englischen w-Laut zum v-Laut hin stattgefunden hat. Das ist intervokalisch immer der Fall, und hinter bestimmten Konsonanten regelmäßig, hinter anderen nie. Gerade hinter s steht nie ein v, vgl suavis, assuescere und Komposita, suadere und Komp., suebus usw. usw. Für diese Wörter gibt es auch ausreichend metriosche Belegstellen.

Gruß, Pyrrha.

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Tief ist der Brunnen der Vergangenheit. Sollte man ihn nicht unergründlich nennen?


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 Betreff des Beitrags: Re: u konsonantisch und vokalisch
BeitragVerfasst: Mo 18. Jan 2010, 00:07 
Dominus
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Registriert: Do 27. Jul 2006, 18:56
Beiträge: 7042
Wohnort: Germania Inferior
Zitat:
ille ego qui hat geschrieben:
...ich bin in letzter Zeit wiederholt auf die Behauptung gestoßen, im Namen des "Sueton(ius)" sei das erste u ein konsonantisches. ...
Woher wissen wir das?
Metrisch habe ich den Namen nicht gefunden ...
Salve, Ille ego qui.

Apud Ausonium* hunc legimus versum hexametrum:

Quorum per plenam seriem Suetonius olim


- - / - - / - u u / - - / - u u / - x

Solemus uti pro i et j sola i littera, neque vero semper, ut oportet, pro u et v sola u littera, quae scribendi consuetudo inepta plane videtur esse...

Praeterea oro te legas quid Crusius-Rubenbauer scripserint (Röm. Metrik, München 1961, § 23, p. 21sq.).

Vale.
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* De XII Caesaribus per Suetonium Tranquillum scriptis 1, 1, 4 (ed. R. Peiper, p. 183).


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 Betreff des Beitrags: Re: u konsonantisch und vokalisch
BeitragVerfasst: Mo 18. Jan 2010, 01:05 
Consul

Registriert: Sa 3. Jan 2009, 23:01
Beiträge: 400
his diebus vobis fusius de istis rebus respondebo. nunc quidem unum dicam:

consus hat geschrieben:
Apud Ausonium* hunc legimus versum hexametrum:

Quorum per plenam seriem Suetonius olim


- - / - - / - u u / - - / - u u / - x


inest, mi Conse, quaedam ambiguitas, ni me fallit: utrum pronuntiare oporteat "Suetonius" - - u u, ut proposuisti, an u u - u u ?
quid censetis?

valete.

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 Betreff des Beitrags: Re: u konsonantisch und vokalisch
BeitragVerfasst: Mo 18. Jan 2010, 02:04 
Dictator
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Registriert: Sa 12. Mai 2007, 03:38
Beiträge: 1507
Aber die SUEBI oder SUECIA sind doch Beispiele dafür, daß /w/ als u geschrieben wurde. Wo sind die Beweise, daß man u in Suetonius vokalisch sprach? Ich kann es mir schon aufgrund der Sprachökonomie kaum vorstellen, da Namen die gewöhnlichsten und häufigst gesprochen Worte, so schnell wie möglich gesprochen werden, und sich dann der konsonantische Laut von selbst aufdrängt.

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 Betreff des Beitrags: Re: u konsonantisch und vokalisch
BeitragVerfasst: Mo 18. Jan 2010, 12:53 
Dominus
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Registriert: Do 27. Jul 2006, 18:56
Beiträge: 7042
Wohnort: Germania Inferior
Quod ad nomen Suetonii attinet, optime Ille, Suē syllaba, nisi fallor, natura est producta, ex quo apparet in illo hexametro oportere pronuntiari Suētōnĭŭs. Cf. Georges, Lewis&Short, OLD, et Lucr. 1, 301; Verg. Aen. 5, 414.


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 Betreff des Beitrags: Re: u konsonantisch und vokalisch
BeitragVerfasst: Mo 18. Jan 2010, 14:25 
Dominus
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Registriert: Do 27. Jul 2006, 18:56
Beiträge: 7042
Wohnort: Germania Inferior
Zitat:
Laptop hat geschrieben:
...SUEBI ...
In Lucan. 2, 51 ist das u in Suebi vokalisch zu lesen:
fundat ab extremo flavos Aquilone Suebos > - u u / - - / - - / - u u / - u u / - -.
So auch bei Ausonius (Bissula, praef. 2, ed. Peiper p. 115):
Suebae] u - - /, also vokalisches u auch hier in einem trochäischen Septenar:
lusimus quos in Suebae gratiam virgunculae > - u / - - / - u / - - / - u / - - / - u / -


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 Betreff des Beitrags: Re: u konsonantisch und vokalisch
BeitragVerfasst: Mo 18. Jan 2010, 22:41 
Dominus
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Registriert: Do 27. Jul 2006, 18:56
Beiträge: 7042
Wohnort: Germania Inferior
Addendum.
Leumann, Manu: Lateinische Laut- und Formenlehre (Lat. Gramm. v. Leumann-Hofmann-Szantyr), München 1977, S. 132:
Zitat:
Vokalisierung des u von du- su- ist eine Künstlichkeit der Hexametersprache.

:book:


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 Betreff des Beitrags: Re: u konsonantisch und vokalisch
BeitragVerfasst: Di 19. Jan 2010, 15:20 
Dictator
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Registriert: Sa 12. Mai 2007, 03:38
Beiträge: 1507
Ich bin skeptisch, was das Schlußfolgern der Aussprache allein durch Verslesungen anbelangt. Dichtung ist nach wie vor eine Kunstform der Sprache.

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 Betreff des Beitrags: Re: u konsonantisch und vokalisch
BeitragVerfasst: So 7. Feb 2010, 21:42 
Servus

Registriert: Mi 3. Feb 2010, 23:40
Beiträge: 6
Salvete!

In versu Ausonii, qui supra a Consu est sumptus, verbum Suetonii aliter metiendum est, si iambus Sŭ-ē- corripitur (cf. Crusius, Metrik, § 28): ... UU / - UU / ... Hoc modo u littera vocalis naturam servat. In locis Aen. 5, 402 et 414 quidem syllabas sŭ-ē- verbi "suetus" contrahi apparet. Quacumque ratione metiri sibi placet, u litteram tenuissime enuntiari oportet.


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 Betreff des Beitrags: Re: u konsonantisch und vokalisch
BeitragVerfasst: So 7. Feb 2010, 22:34 
Dictator
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Registriert: Sa 12. Mai 2007, 03:38
Beiträge: 1507
Ich kann vielleicht etwas beisteuern, da ich momentan das Schriftbild des Barocklateins begutachte: im ODO (= opera didactica omnia, eine Compilation aus einigen Werken Comenii) wird u nach q (fast immer) als v gedruckt "qvidqvuam", "aliqvid" u.dgl. Auch hier darf man sicherlich die Frage stellen: wie kommt es, daß wir heute nicht mit diesem v schreiben (wenn wir konsequent sein wollen)?

Ferner, nimmt er dort Bezug auf Suetonius immer mit "Svet.", eine weitere Bekräftigung der These des konsonantischen "u"? Wer möchte darf gerne weitersuchen: hier http://www.uni-mannheim.de/mateo/camena ... enius.html auf "Machinenlesbarer Text" klicken, bspw. von Pars I, und dort mit der Suchfunktion des Webbrowsers bspw. nach der Zeichenfolge "sve" (oder: großgeschrieben "Svet") suchen.

Zitat:
Gerade hinter s steht nie ein v, vgl suavis, assuescere und Komposita, suadere und Komp., suebus usw. usw.
Interessant auch, daß dort alle Derivate vom Verb suescere mit ..sve.. gedruckt werden: mansvetus, consvescant, consvetis, adsvetis, usw. Svecia und Svetica (Schweden, Schwedisch) natürlich auch mit v. Wenn du sagst "nie" dann bezieht sich das auf das tempus classicum? Ich würde gerne erreichen, daß das Latein des Barocks mehr Beachtung findet, und nicht pauschal übergangen wird. Daran arbeite ich. Vieles hat man vor 300 Jahren noch von der Antike gewußt, was heute wieder vergessen ist, es gibt vielleicht Erkenntnisauffrischungspotential!

Ich nehme an, daß das keine Launen des Barocks sind, sondern Prinzip und Lautliche Realität dahintersteckt. Interessieren würde mich, ob es Stellungnahmen (Erklärungen, Begründungen) von Personen aus der Renaissance oder dem Barock zu diesem Schreibgebrauch gibt ... hat jemand Hinweise?

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 Betreff des Beitrags: Re: u konsonantisch und vokalisch
BeitragVerfasst: Mo 8. Feb 2010, 18:34 
Aedilis
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Beiträge: 90
Wohnort: Berolinum
Ich muss Laptop in zwei Punkten beipflichten:

Erstens zur möglichen Variation zwischen Dichtungssprache und Alltagssprache. Nichts garantiert uns, dass wenn ein u in Hexametern syllabisch oder nicht gemessen wird, dass es dann auch im restlichen antiken Latein so war. Es ist ein Hinweis, aber kein Beweis.

Zweitens jedoch ist es logisch, dass ein [su'e] einem [swe] am Wortanfang ziemlich ähnlich klingt, wenn es schnell ausgesprochen wird. In Gesichtspunkten der Sprachökonomie also auch hier ein Hinweis auf konsonantisches/nicht-syllabisches u. Aber noch kein Beweis

Ein Mittel, es herauszufinden, wäre in anderen antiken Sprachen zu schauen, wie dort römische Eigennamen wie Sueton dort transkribiert wurden, wenn in diesen anderen Sprachen u und w mit verschiedenen Buchstaben unterschieden wurden.
Für die griechischen behauchten Plosive konnte man das im Latein machen und so datieren, wann sie in Frikative übergingen (ph -> f).

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 Betreff des Beitrags: Re: u konsonantisch und vokalisch
BeitragVerfasst: Mo 8. Feb 2010, 19:35 
Dominus
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Registriert: Do 27. Jul 2006, 18:56
Beiträge: 7042
Wohnort: Germania Inferior
Vielleicht interessant:
Griech. Münze von T. Flavius Vespasianus mit der Inschrift
ΑΥΤ(οκρατορος) ΤΙT(ου) ΦΛΑΥΙ(ου) ΟΥΕΣΠΑΣΙΑΝ(ου) ΚΑΙΣ(αρος).
Ferner Suebi > Σόηβοι bzw. Σούηβοι.
Erwähnenswert auch suavis > ital. soave..


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